64. Deutsche Anwaltstag

Vom 6. bis 8. Juni 2013 fand in Düsseldorf der 64. Deutsche Anwaltstag unter dem Motto „Anwaltsmarkt 2030 – Zukunft jetzt gestalten“ statt. Wie erwartet, hat der DAV-Spanien an dieser wichtigen Veranstaltung teilgenommen und beteiligte sich an der Debatte über internationales Recht, die sich mit dem Thema “Der globale Anwalt – zwischen Regulation und Liberalisierung” beschäftigte. In dieser Debatte wurde über den Einfluss der Liberalisierung in den verschiedenen Staaten der Europäischen Union, über die Durchführung der Internationalisierung der Staatsanwaltschaft und wie man die Zukunft der Anwaltschaft erwartet diskutiert.

1. Auswirkungen der Liberalisierung auf den Anwaltsberuf:
In Spanien hat der Prozess der Liberalisierung in den letzten Jahren sehr große Fortschritte gemacht. Obwohl diese Liberalisierung in Spanien später als in anderen EU-Staaten begann, fing diese im Jahr 2009 mit der Abschaffung der Indikativen Honorare erst richtig an. Jetzt liegt ein Gesetzentwurf vor, der die jetzige Vielzahl an Anwaltskammern beseitigen möchte, damit es letztendlich nur eine Anwaltskammer pro Autonome Gemeinschaft gibt. Dieser Gesetzentwurf wird auch nur für die Anwälten gelten, die sich um vor Gericht erscheinen zu können bei einer Anwaltskammer melden müssen, aber nicht für diejenigen, die nur Rechtsberatung anbieten, wie z. B. Syndikusanwälte, oder diejenigen, die Verwaltungsunterlagen bearbeiten.
Dieser Gesetzentwurf erlaubt auch Rechtsanwälten, die Tätigkeit des Prozessagenten auszuüben, ohne dass eine vorherige berufliche Qualifikation notwendig ist.
Es handelt sich um die Beseitigung von Hindernissen mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität des Sektors zu verbessern.

1.1 Neue Strukturformen, insbesondere am Beispiel Großbritannien (Marktherrschaft ausländischer Großkanzleien, Konkurrenz der Billiganbieter, Festpreise etc.)
Die Durchdringung von aus Anwaltskanzleien bestehenden Konglomeratgesellschaften mit internationaler Ausrichtung. Dies zeigt die Internationalisierung und Globalisierung der Anwaltstätigkeit in Spanien. Die Folge daraus ist, dass es auf dem spanischen Rechtsmarkt keine großen Änderungen in den Strukturformen gegeben hat.
Marktdurchdringung von Anwaltskanzleien, die sich durch eine virtuelle Plattform bewerben und auch Low Cost und Flatrates bieten.
Zunehmende Präsenz ausländischer Anwälte und Kanzleien in Spanien, nachdem es vor Kurzem geregelt wurde. In Spanien gibt es etwa 30 ausländische Kanzleien, von denen die meisten britische oder amerikanische Kanzleien sind, die in verschiedenen Gesellschaftsformen gegründet wurden.

1.2 Fremdkapital in Anwaltskanzleien
In Spanien wird Fremdkapital in Anwaltskanzleien im Artikel 4.2 des Gesetzes für Professionelle Gesellschaften geregelt. Der Artikel legt fest, dass der Fremdkapitalanteil maximal 49 % des Gesamtkapitals betragen darf.
Der Fremdkapitalanteil spanischer Anwaltskanzleien hat in den letzten Jahren stark zugenommen, obwohl dies bis jetzt keine bemerkenswerte Bedeutung auf dem Rechtsmarkt hat.

1.3 Die Notwendigkeit, sich als Rechtsanwalt an die Internationalität und Globalisierung der wirtschaftlichen Tätigkeit anzupassen
Die Mehrzahl der internationalen Fälle in Spanien behandelt Familienrecht, Erbrecht, Handelsrecht und Strafrecht. Der spanische Rechtsanwalt hat sich den neuen Bedingungen angepasst und sich in solchen Bereichen spezialisiert bzw. auf den Gebieten Handelsrecht, Unternehmensrecht sowie Internationales Recht.
Maßnahmen, die den Verkehr von spanischen Rechtsanwälten erleichtern, wie zum Beispiel: europäische Rechtsanwaltslizenz.
Einführung von Tarifen und Preisen für die Mandanten kleiner Kanzleien, damit diese ihre Stellung auf dem Markt behalten können.
Neue Ausgestaltung der Verwaltung von Kanzleien. Der Aufbau von Legal Project Management, sowie die Entwicklung von aktuellen Methoden, um Kunden zu ziehen und wettbewerbsfähiger zu werden.
Trotzdem bleiben die großen spanischen Unternehmen führend auf dem spanischen Markt, im Unterschied zu anderen Ländern.

2. Der elektronische Rechtsverkehr mit Gerichten und Mandanten und seine Auswirkungen auf die Anwaltstätigkeit
In Spanien ist derjenige, der die direkte Kommunikation mit dem Gericht führt, der Prozessagent, und nicht der Rechtsanwalt, wie in vielen EU-Staaten, z. B. Deutschland.
Die positiven Effekte der Telekommunikationsära sind nicht abzuschätzen und haben eine positive Wirkung auf die Justizverwaltung. Spanien ist dennoch ein Land, in dem eine übermäßige Verzögerung der gerichtlichen Tätigkeit wahrgenommen wird. Und obwohl dieser elektronische Rechtsverkehr in Spanien vor Kurzen etabliert worden ist, kann man immer noch die Ineffizienz und Verzögerung wahrnehmen.
Die Umsetzung des elektronischen Rechtsverkehrs ist noch immer chaotisch.
3. Vertraulichkeit der Kommunikation unter Anwälten und internationale Tätigkeit, Wechselwirkungen mit den Syndikusanwälten
Innerhalb der spanischen Rechtsanwaltskanzleien und auch unter den Rechtsanwälten gibt es ein großes Bewusstsein, die Vertraulichkeit der Handelsbeziehungen und die Entwicklung von internen Projekten zu erhalten. Hierfür hat man Pläne für die Zugriffskontrolle und Filterung sowohl von Informationen als auch von Unterlagen entwickelt. Im Falle der Beziehungen zwischen Rechtsanwälten ist dies ein bekanntes Verfahren.

4. Möglichkeiten und Grenzen der Werbung durch international tätige Rechtsanwälte
In Spanien sind die Möglichkeiten und Grenzen der Werbung für alle Juristen, sowohl einheimische als auch ausländische, gleich. Weder die spanische Gesetzgebung noch Artikel 8 der internationalen Grundsätze des Standesrechts (Code of Ethics) unterscheiden in dieser Hinsicht, sondern letzterer stellt fest “A lawyer should not advertise or solicit business to the extent and in the manner permitted by the rules of the jurisdiction to which that lawyer is subject. A lawyer should not advertise or solicit business in any country in which such advertising or soliciting is prohibited”
Die spanische Regelung hinsichtlich der Werbung für juristische Dienstleistungen ist gesetzlich sehr begrenzt. Diese Einschränkungen gelten sowohl für nationale als auch ausländische Rechtsanwälte oder Kanzleien.

5. Als Abschluss wurde die Frage in den Raum gestellt, ob überhaupt noch von einem Monopol der Rechtsanwaltschaft auf dem Gebiet der Rechtsberatung gesprochen werden kann.
Man kann in keiner Weise von einen Monopol der Rechtsanwaltschaft sprechen. Heutzutage gibt es Vollzugsbüros, Prozessagenten, Beratungsbüros, Juristen mit abgeschlossenen Universitätsstudium und sogar Ingenieure und Architekten, die über Stadtplanung beraten.
Im Falle Spaniens, und in Bezug auf die Beratung von größeren Unternehmen, die Syndicusanwälte in den internen Rechtsabteilungen mit Ausnahme spezifischer Probleme verwalten, können wir von einem Oligopol sprechen, da eine kleine Gruppe fest etablierter Büros die Rechtsberatung der größten Unternehmen Spaniens auf dem Rechtsmarkt verteilt.

Deja un comentario

Tu dirección de correo electrónico no será publicada. Los campos necesarios están marcados *

Puedes usar las siguientes etiquetas y atributos HTML: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>